Der Wal und die Medien

So viele Menschen projizierten ihre Hoffnungen auf das Tier, schließlich gaben sie ihm sogar Namen. Wochenlang guckten sie dem Buckelwal im Frühjahr beim Leiden zu, als er in seichtem Wasser vor der deutschen Küste lag. Dann war das Tier tot. Wie es sich während der Rettungsversuche fühlte, man kann es nur erahnen.

Wir Menschen sahen diesen mächtigen Körper vor uns, erst desorientiert und erschöpft, schließlich tot am Strand liegend. Viele erkannten nicht nur ein sterbendes Tier. Sie erkannten sich selbst.

Die traurige Geschichte des Wals begann Ende März, als er – ein Weibchen, wie wir jetzt wissen – vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank strandete. So jedenfalls haben wir Menschen es uns zurechtgelegt: Viele sahen darin eine grausame Laune der Natur, die berichtigt werden muss. Die Wahrheit ist, dass die Geschichte des Wals in diesem Moment zu Ende ging.

Ihren Anfang nahm die Geschichte viel früher, irgendwo im Ozean, verborgen vor unseren Augen und Kameras: bei Unterwasserlärm, Überfischung, gefährlichen Schiffsschrauben und Vermüllung. Während Menschen mitfieberten und hofften, hatte der Wal ein Fischernetz im Maul.

Thilo Maack, Greenpeace Nachrichten 03/2026

ST

siegfriedtrapp